Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde

- Friedenskirche-

Stiftstraße 7

37170 Uslar 

 

 

 

 

 

 

GEDANKEN

 

 

... Nachgedacht

 

"Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“
(2. Timotheus 1,7)

Timotheus muss noch relativ jung gewesen sein, als der Apostel Paulus ihn in sein Missionsteam aufnahm. Der junge Mann hatte in seiner Heimat einen hervorragenden Ruf unter den Christen. Und er war vermutlich eher zartbesaitet, nicht sehr selbstsicher. Kein Typ wie Paulus. Er hatte auch keine sehr robuste Natur und war häufig krank. Beschwerliche Magenprobleme machten ihm immer wieder zu schaffen. Möglicherweise hat ihm der herausfordernde Dienst und die Leitungsverantwortung, zu denen Paulus ihn immer wieder in Gemeinden (Korinth, Thessalonich, Ephesus) einsetzte, ab und zu auf den Magen geschlagen, ihm schlaflose Nächte bereitet, Fragen in ihm aufsteigen lassen, ob das alles nicht ein paar Schuhnummern zu groß sei für ihn. Vielleicht gab es in den Gemeinden Leute, die diesen „jungen Spund“ spüren ließen, dass er doch nicht viel zu sagen habe. Gut vorstellbar, dass Timotheus manchmal der Verzweiflung nahe war.

Aber Paulus schätzt den jungen Mann außerordentlich: Der gute Ruf, den er in seiner Heimat hatte, ist gerechtfertigt. Timotheus erweist sich im Dienst als treu und zuverlässig. Der Apostel bezeichnet ihn sogar als „meinen Sohn“, und beschreibt damit die intensive und herzliche Beziehung, die die beiden miteinander verband. Schwierige Aufgaben, die er anderen wohl nicht so übertragen hätte, vertraut er ihm an.

Man spürt den Briefen des Paulus ab, dass ihm dieser junge Mann sehr am Herzen lag. Des öfteren ermutigt er ihn, seine von Gott gegebene Gabe einzusetzen, sie nicht links liegen zu lassen, sich vor allem nicht klein und unbedeutend zu fühlen aufgrund seines noch jungen Alters. Er erwartet viel von ihm - manches Mal vielleicht mehr, als Timotheus selbst sich zugetraut hätte -, aber er stärkt und unterstützt ihn auch.

Das Stichwort „Verzagtheit“ lässt erkennen, dass der Apostel sehr wohl wahrnahm, wie es Timotheus ging. In dem ermutigenden Wort des Monatsspruchs erkennen wir den Mitarbeiter, dem angesichts von großen Herausforderungen die Kraft ausgeht, der nicht weiß, wie es weitergehen soll, der an die Grenzen seiner Möglichkeiten stößt - seiner eigenen Möglichkeiten und Kräfte.

Aber eben nicht an die Grenzen der Kraft seines Herrn. Daran erinnert der Apostel seinen Mitarbeiter. Er richtet seinen Blick neu darauf, dass die unerschöpfliche Quelle an Kraft, Liebe und Besonnenheit außerhalb unserer selbst liegt. Gott kann und will uns aus seiner Fülle geben, immer wieder neu und frisch. Er vermag unseren Mangel auszugleichen. Jesus selbst hat die Mühseligen und Beladenen zu sich gerufen, um sie zu erfrischen. Gottes Zuwendung, Erfrischung und Ermutigung dürfen wir jeden Tag neu erbitten.

Und was könnte sich vielleicht alles entwickeln, wenn ich in diesem Monat mal bewusst meine Augen aufhalte, für einen Menschen, den Gott durch mich ermutigen will? Das kann sogar die Atmosphäre in einer Gemeinde nachhaltig positiv prägen, wenn Erinnerungen und Worte der Ermutigung, des Zuspruchs den Umgang miteinander prägen. Der Apostel jedenfalls tritt seinem Mitarbeiter hier nicht mit Vorwürfen entgegen, wie der so negativ drauf sein kann, sondern mit der Erinnerung an den Gott und Herrn, aus dessen Fülle wir immer wieder empfangen können, was wir brauchen für den nächsten Schritt, die nächste Aufgabe, die nächste Herausforderung. So ähnlich schrieb es bereits der Evangelist Johannes: „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade.“

Pastor Klaus-Peter Marquaß